Thema 3: Familie, Lebenslauf und Interaktion – Sozialisation als Konstruktionsprozess
Sozialisation wird hier als Konstruktionsprozess verstanden, in dem Wirklichkeit im Handeln und Deuten der Beteiligten selbst hergestellt wird (Berger/Luckmann). Diese Grundeinsicht wird an drei Zugängen konkretisiert: Familie, Lebenslauf und Interaktion.
Mit dem familiendynamischen Ansatz nach Helm Stierlin sowie transgenerationalen Perspektiven wird Familie als Beziehungs- und Weitergabegefüge betrachtet, in dem Ablösung, Bindung und – oft unbewusst – familiale Aufträge und Belastungen verhandelt werden. Mit Martin Kohlis Konzept der Institutionalisierung des Lebenslaufs und aktuellen Befunden zur Entstandardisierung von Lebensläufen (Mayer) wird untersucht, wie und ob die gesellschaftlich erwartete Abfolge von Kindheit, Ausbildung und Erwerbsarbeit als historische Konstruktion brüchig geworden ist. Mit Erving Goffmans interaktionistischem Werk sowie Heiner Keupps Konzept der Patchwork-Identität wird schließlich analysiert, wie Zugehörigkeit und Selbstdarstellung in konkreten Situationen – etwa in Schule oder Verwaltung – hergestellt werden.
Anhand ausgewählter Texte und Fallbeispiele wird die Anschlussfähigkeit dieser Theorien für die Soziale Arbeit erarbeitet und diskutiert.
- Trainer/in: Tanja Manthey-Gutenberger